Von Werner Müller Grimmel
In faszinierende Klangwelten zwischen Flamenco, Jazz, Barock und Moderne entführt ein neues Album des spanisch-deutschen Duos Jesús & Plank. Der Live-Mitschnitt ist nun unter dem Titel „Duende“ erschienen.
Zwanglos greifen samtweich perlende Klaviertöne und filigrane Gitarrengespinste ineinander und suchen sich ihren atmosphärisch aufgeladenen Weg durch ein dezent bluesig eingefärbtes oder experimentell verfremdetes Flamenco-Jazz-Barock-Ambiente. Gelegentlich leuchten glasklare, einem elektroakustischen Zupfinstrument entlockte Lichtblitze sternenhell über dunkel schimmerndem Tastengebrodel auf. Der deutsche Gitarrist und Improvistionskünstler Heiko Plank hat das hier von ihm benützte Spielgerät selbst entworfen und nennt diese einzigartige, in jahrelanger Arbeit weiterentwickelte, inzwischen patentierte Kreation einer modifizierten Gitarre„plank“.
Als Partner Planks hat bei der Einspielung des soeben unter dem Titel „Duende“ veröffentlichten Albums der spanische Pianist Jesús Hernandez mitgewirkt. Die beiden Musiker sind bereits vor einem Jahrzehnt in Spanien bei einem gemeinsamen Projekt aufeinandergetroffen und spielen seit einem gemeinsamen Auftritt 2024 beim weltweit größten Gitarrenfestival in Granada regelmäßig als Duo „Jesús & Plank“ zusammen. Der im Rahmen einer kleinen Tournee im September entstandene Live-Mitschnitt ist jetzt als „Heidelberg Concert“ beim Label Acoustic Arts erschienen. Pate für den Albumtitel steht Federico García Lorcas 1933 poetisch ausformulierte „Duende“-Theorie intuitiver künstlerischer Kreativität.
Ein ereignisreicher, gut zwanzigminütiger Ausflug in verlockend fremdartige Hörbereiche eröffnet den Reigen der der aufnahmetechnisch vorzüglich abgemischten Tracks. Das Stück heißt „Nighthawk“. Schon seine ersten sparsamen Töne umreißen einen weiten Erwartungshorizont. In blindem Einvernehmen lassen sich die beiden musizierenden Nachtschwärmer bei ihrer aus dem Moment geborenen Erkundung angenehm tönender Klänge ins Unbekannte treiben, tasten sich lauschend weiter durch unversehens entstehende, quasi im Vorbeigehen „begriffene“ Harmoniewechsel, stets in der Schwebe zwischen vereinbarter „Thematik“ und spontaner Interaktion, unersättlich in der Erfindung, entspannt im freien Weiterfließen.
Planks originelle Exkurse in melodisch verspielte oder virtuose Ausdrucksbezirke verleugnen nicht seine Vertrautheit mit klassischer Gitarrenmusik, fügen sich aber nahtlos ein in den von Hernandez vital entfachten Groove rhythmisch vertrackter Konstellationen. Nie weicht das Duo ab vom beidseitig respektierten Nenner musikalischer Zwiesprache, die immer im richtigen Augenblick neue Bahnen einschlägt und dabei geläufige Wendungen jederzeit offen hält für unerwartete Weiterführung. Mit je einem Stück stellen sich beide Partner dann auch solistisch vor, um bei der Zugabe wieder hochkonzentriert auf Tuchfühlung zusammenzufinden.
- Jesús & Plank: „Duende“ („Heidelberg Concert“), Live-Mitschnitt; Jesús Hernandez (Klavier), Heiko Plank („plank“-Gitarre); Acoustic Arts Label www.al-studios.de oder plankworks.eu/shop/).

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